GRUNDWISSEN WOHNUNGSPOLITIK IN BERLIN – Teil 1: Unsere Mieten werden an der Börse gehandelt

GRUNDWISSEN WOHNUNGSPOLITIK IN BERLIN  – TEIL EINS 

Die #aufstehen AG WOHNEN diskutiert seit einiger Zeit über die Möglichkeit Wohnungen zu rekommunalisieren und Neubau mit bezahlbaren Mieten einzufordern.

Autorin Sabine Scheffer gibt einen Einblick in den Diskussionsgegenstand.

Einführung in die Debatte – TEIL EINS – In mehreren Artikeln wird die Diskussion anhand eines Vortrages von Stadtsoziologe Andrej Holm auf der Podiumsdiskussion von AG WOHNEN „Wiener Wohnen- Modell für Berlin?“ erläutert.

 

Unsere Mieten werden an der Börse gehandelt: 

In Berlin steigen überall die Mieten und 5000 Zwangsräumungen oder mehr pro Jahr sind weiterhin Alltag. Das sind Erfahrungen der Berliner Mieter mit der zugespitzten Wohnungskrise in ihrer Stadt.

Warum ist das so ?

Seit den 90 Jahren steigen Angebots- und Bestandsmieten. Bis 2005 schlossen Mieter neue Mietverträge zu ähnliche Konditionen wie ihre Vormieters ab. Menschen  konnten ohne höhere Kosten umziehen. Das ist längst vorbei und Umzüge sind kaum möglich, weil heute selbst eine kleinere Wohnung teurer wäre, als die alte. Neumieter müssen fast das Doppelte zahlen wie vor 5 Jahren, obwohl Löhne und Gehälter nicht gestiegen sind. 

Der große Abstand zwischen Bestands- und Neuvermietungsmieten ist eine Besonderheit am Berliner Wohnungsmarkt und macht die Stadt für Investoren interessant. Allerdings klafft zwischen Altverträgen und Neuverträgen eine Ertragslücke und die Jagd nach Profit verführt Vermieter die alten Mieter mit allen Mitteln loszuwerden. 

Mit Neuverträgen auf einen Schlag eine wesentlich höhere Miete kassieren zu können ist der Verdrängungsmotor

Ungleich höhere Profite verspricht eine Umwandlung in Eigentumswohnungen plus Verkauf nach Verdrängung der Altmieter. Die wiederum leiden unter vorgeschobenen Eigenbedarfskündigungen ohne nachvollziehbare Gründe. Verdrängung von Bestandsmietern ist die maximale private Profitsteigerung.

Viele Berliner Mieter sympathisieren daher mit dem Vorschlag zur Enteignung und Vergesellschaftung durch „Deutsche Wohnen & Co enteignen“.  Für Mieter bedeutet es mehr Sicherheit wenn die Wohnungen der Stadt gehören. Auch der Mietendeckel wird begrüßt, weil er eine Senkung von Neuvertragsmieten verspricht.

Grund für exorbitante Mietsteigerungen ist laut Immobilienlobby, der Bevölkerungszuwach der letzten Jahre, obwohl in der Vergangenheit die Bevölkerung anwuchs, ohne daß die Mieten im regulierten Markt stiegen.

Mieten steigen überall da, wo der Eigentümer wechselt.
Nach einem Verkauf von Häusern und Wohnungen müssen Mieter oft professionell organisierte Verdrängung aushalten. Das können Kündigungen mit vorgeschobenen Gründen sein, Baustellenterror, oder (Raus-) Modernisierung mit hohen Mietsteigerungen. Neueigentümer, oft Finanzhaie, kaufen die bebauten Grundstücke. In den letzten Jahren sind die Grundstückspreise explodiert. Für Investoren ist der hohe Preis für Haus plus Grundbesitz eine Ertragserwartung die vom Mieter reingeholt werden soll. Mit Bestandsmieten lässt sich das nicht refinanzieren, also muss der neue Eigentümer die Altmieter loswerden. Die Immobilien Lobby kämpft daher gegen den Mietendeckel, weil der die Kalkulation mit hohen Mieten verhindert. 

Für Mieter ist die Wohnung ein Zuhause, für Investoren nur eine beliebige Geldanlage. Die Finanzialisierung der Wohnungswirtschaft ist also das Ende der klassischen Wohnungswirtschaft. Finanzinstitute wollen nicht langfristig investieren, sondern kurzfristig Geld vermehren. Es geht nicht um langfristige Vermietung, sondern darum unsere Städte in Finanzanlagen zu verwandeln. 

Häuser werden daher ständig weiterverkauft und deren Anteile ( Finanzprodukte) an der Börse gehandelt. 


Weitere Teile der kleinen Einführung in die wohnungspolitische Diskussion folgen 
http://www.aufstehen-wohnen-berlin.de

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